Finanzkrise? Kreditkrise?

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In allen Medien wird heftig diskutiert und geschrieben über die aktuelle weltweite Finanzkrise. Doch noch nirgends habe ich erfahren, wie es denn nun im Detail zur gegenwärtigen Situation kam. Dieser Artikel ist ein Versuch, dieses Manko zu beheben.

Die Ursache

Am Anfang steht der Immobilienmarkt in den USA. Die Hausbesitzer konnten sich bis vor ein paar Jahren auf steigende Häuserpreise verlassen. Damit stieg der Wert ihrer Häuser stark an. Da die meisen Hausbesitzer neben ihrem Haus über wenig Eigenkapital (Erspartes) verfügten, mussten sie Kredite aufnehmen um ihren (ausschweifenden?) Konsum zu finanzieren. Als Sicherheit für die Kredite dienten ihnen die noch wertvollen Immobilien.

Die Verkäufer der Kredite bekamen vielfach einen grösseren Bonus, wenn sie mehr Kredite an den Mann brachten. Dies sollte Anreize schaffen, um mehr zu Arbeiten und mehr zu Verkaufen. Diese Banker nutzten die Gunst der Stunde und verkauften munter weitere Kredite an - real gesehen - schlechte Schuldner. Jene Schuldner werden heute als die Subprime-Schuldner bezeichnet. Die Banker bündelten die vielen Kredite und verkauften sie teuer als sogenannte “strukturierte Produkte” an andere Banken und Investmentgesellschaften, die an den hohen Zinserträgen teilhaben wollten.

Doch irgendwann überstieg die Zinslast der Hausbesitzer ihr Einkommen/Vermögen, und sie konnten ihre Kredit- und Hypotekarschulden nicht mehr bezahlen. Die gebündelten “Zinserträge” verloren schnell an Wert. Die vormals als risikoarm (AAA) eingestuften Wertpapiere waren wertlos.

Die Abschreiber

Die Wertverluste der Papiere führte bei deren Besitzern (Banken, Investmengesellschaften) zu einem Totalausfall. Die “Subprime”-Papiere waren wertlos. Statt zehn Milliarden plötzlich Null (0) Franken auf dem Konto! Da die Wertpapiere in der Bilanz der Unternehmen zu Marktpreisen bewertet werden müssen, verschlechterte sich die Lage der Banken schlagartig. Sie haben die Papiere teuer eingekauft und haben sich davon hohe Gewinne versprochen. Das viele Geld ist plötzlich “verschwunden”.

Die Risikoprämie

Bei vielen Banken ist die Kapitaldeckung gering. Das bedeutet, dass sie nur einen Bruchteil der auf ihren Rechnungskonten liegende Buchgeld tatsächlich - in Banknoten und Münzen - zur Verfügung haben. Kein Buchgeld mehr und kein “reales” Geld mehr! Was nun? Kredite müssen aufgenommen werden. Im Normalfall leihen sich die Banken gegenseitig zu einem Zinssatz (LIBOR) Geld aus. Doch würde jemand einer Bank, die auf wackeligen Beinen steht, einen Kredit geben? Wohl kaum. Und wenn, dann nur zu einem Zinssatz, der sich gewaschen hat. Diesen Aufschlag auf den üblichen Zinssatz nennt man Risikoprämie.

Dank diesem Zinsaufschlag überlegt sich der potentielle Schuldner zweimal, ob er den Kredit aufnehmen soll oder nicht. Und auch der Gläubiger hat, falls der Schuldner Konkurs geht, wenigstens in der “guten” Zeit noch einen schönen Batzen erhalten.

Der Konkurs

Die Bank “Lehman Brothers” - eine Investmentbank - ist genau wegen diesem Effekt untergegangen. Sie hatten zu wenig “Cash” um ihre von ihren Gläubigern eingeforderten Schulden zu bezahlen. Sie bekamen keine Kredite von anderen Banken, da sie die Risikoprämie nicht bezahlen konnten (auch dafür brauchts das liebe “flüssige” Geld). Viele andere Banken haben durch die Krise Probleme erhalten. z.B. die UBS, die CS, AIG (ein Versicherungsunternehmen), Washington Mutual, Hypo Real Estate, Freddie Mac und Freddie Mae, und viele mehr.

Der Staat

Einige der angeschlagenen Unternehmen wurden vom Staat gerettet, indem sie entweder von ihm aufgekauft (verstaatlicht) wurden oder indem sie von der jeweiligen Zentralbank (Nationalbank) billige Kredite aufnehmen durften. Die Zentralbanken sind in der Lage diese Kredite zu geben. Sie verfügen über eine unerschöpfliche Geldquelle: Die Notendruckerei. Doch nicht alles was glänzt ist Gold, denn auch der Staat ist Mitschuldig an der Krise.

Ein Beispiel: In der Schweiz gibt es hohe Anforderungen an die Eigenkapitaldeckung von Banken. Sie müssen einen gewissen Prozentsatz ihres Buchgeldes durch tatsächliches Geld gedeckt haben, um evtl. bei einem Bank-Run (die Bankkunden haben Angst um ihr Geld auf dem Konto, und räumen es leer) genügend Geld zu haben. In den USA hingegen ist diese Vorschrift vernachlässigt worden.

Die Konsumentenpreise

Die Notenbanken müssen also als Kreditgeber herhalten. Doch dies ergibt ein weiteres Problem. Es gibt Inflation: Die Preise steigen. Das wäre nicht so schlimm, wenn die Löhne auch steigen würden. Doch die Löhne werden im Normalfall für mehrere Jahre ausgehandelt, und nicht jeden Monat angepasst. Dies wiederum führt zu finanziellen Engpässen bei den Konsumenten.

Schlechterverdienende können sich ihre Mahlzeit kaum mehr Leisten, weil der Preis für Spaghetti um 20% gestiegen ist. Sie gehen weniger ins Kino, weil das Autofahren (Benzin) teurer wurde. All dies führt zu einer schlechten Stimmung unter den Konsumenten. Sie können sich nicht leisten, was sie eigentlich haben möchten. Und sie sparen lieber für schlechte Zeiten, als die hohen Preise zu bezahlen. Darunter leiden die anderen Unternehmen, welche eigentlich gar nichts für die Krise können. Die Spirale dreht sich!

Die Börse

Ein weiterer Spieler im Kreditkrisenspiel sind die Aktienbörsen. Der Verkauf von Aktien kann auch ein Weg sein, ein Unternehmen mit Liquidität zu versorgen. Doch wenn die Aktienpreise im Keller sind, dann lohnt es sich für ein Unternehmen auch nicht mehr, Aktien zu emittieren (herausgeben).

Die Krise an den Kreditmärkten hat die Händler und Spekulanten an der Börse völlig verunsichert. Sie verkaufen die schlechten Papiere von Banken und Investmentgesellschaften, aus Angst, das Unternehmen könnte Bankrott gehen. Die Preise steigen in den Keller. Die Stimmung der Händler wird auch durch Staatsaktivitäten beeinflusst. So stiegen die Aktienindizes (Kennzahl für den Wert eines Aktienkorbes), als es in den USA nach einer grossen Hilfsaktion aussah. Aber als sich die Lage im Amerikanischen Kongress änderte, kippte die Stimmung wieder.

Solche Stimmungsschwankungen führen somit zu grossen Schwankungen bei Aktienpreisen. Diese sogenannte Volatilität macht das Anlegen zu einer hoch Riskanten angelegenheit. Man weiss nie was noch passieren wird…

Das Fazit

Falsche Anreize, Unsicherheit und Risiko sind die zentralen Ursachen der Finanzkrise. Aber auch menschlicher Leichtsinn hat erheblich zum turbulenten Absturz beigetragen.

One Response to “Finanzkrise? Kreditkrise?”

  1. Jan Says:

    Wir kennen das ;)

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